Radschnellweg auf Umwegen

Nachdem der Landkreis vor ca. einem Jahr eine zwischen den Kommunen abgestimmte Vorzugstrasse für den Radschnellweg entwickelt hat, wurde jetzt vom Regierungspräsidium überraschend eine neu entwickelte Vorzugstrasse im technischen Ausschuss vorgestellt. Warum die bisherige Trasse „nicht weiter verfolgt“ wird blieb unbeantwortet.
Die neue Trasse verläuft von Reichenbach kommend auf bzw. neben dem Feldweg nördlich der Fils und wird unterhalb der B10-Brücke südlich auf den Filstalweg und durch die Bahnunterführung auf das Gartenschaugelände geführt. Südlich der Fischerhütte soll mit einer neuen Brücke der Neckar überquert werden, damit der Radweg dann parallel zu Dammweg und Neckar unter dem Otto-Steg bis zu einer Unterführung der Otto-Konz-Brücke in den Rheinkai geführt werden kann. Am Ende des Rheinkais soll es dann eine neue Brücke über den Neckar geben, der den Radweg auf die Altbacher Seite bringt.

Zu beurteilen ist diese Trasse (oder Varianten) nicht nur nach den Anforderungen für Radschnellwege, sondern aus örtlicher Sicht

  • nach dem Eingriff in die Landschaft
  • nach der Anbindung an Plochingen


Der Eingriff in die Landschaft ist bei der jetzt vorgelegten Variante erheblich. Auch wenn noch manche Details ungeklärt sind, ist doch auf den ersten Blick vorstellbar, dass durch eine neue Brücke und breitere Wege die Sichtbezüge von beiden Seiten des Neckars gestört werden.
Gravierender sind jedoch die ökologischen Eingriffe in der südlichen Vorland- und Uferzone, die mit der Landesgartenschau speziell geschaffen wurden.

Für die vorliegende Planung müsste der Damm verbreitert werden, was zu einer Reduzierung wertvoller Retentionsflächen führen würde, oder der Radweg müsste im Vorland komplett aufgeständert werden, was zu erheblichen baulichen Eingriffen in die sensible Vorlandzone führen würde. Mit der Unterführung unter dem Otto-Steg müsste in westlicher Richtung ein Großteil der Uferbepflanzug entfernt werden. Das ist nicht vertretbar. 
Wie wertvoll die Uferzone ist, zeigt die Ansiedlung des Bibers, dessen Schutzstatus sowieso hier weitere Planungen erschweren werden. 

Dazu kommt, dass bei der vorgelegten Trasse eine Anbindung an Plochingen über den Otto-Steg nahegelegt wird. Dies erfordert dann auf der Südseite ein aufwändiges Kreuzungsbauwerk mit entsprechendem Flächenverbrauch. Außerdem ist die Zufahrt durch die Unterführung und die Befahrung des Otto-Stegs schon jetzt eingeschränkt.
Eine Anbindung aus Richtung Wernau fehlt in der Planung, käme also im Vorland noch dazu.
Eine Anbindung über die Otto-Konz-Brücke ist in der Planung nicht erkennbar, aber notwendig.
Eine wichtige Anbindung Richtung Esslingen wird über die Esslinger Straße an der neuen Neckarbrücke erfolgen. Hierzu muss auch der Kreuzungsbereich ausgearbeitet werden.

Fazit: Ein Radschnellweg wird von vielen erhofft und von uns ausdrücklich befürwortet, muss jedoch jenseits des Bruckenbachs verlaufen. Bis zu einem zustimmungsfähigen Entwurf ist noch ein weiter Weg.

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